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Tagesausgabe

Rentner und KFZ-Versicherung: Ein teures Spiel

Die KFZ-Versicherer scheinen ein neues Zielgruppenmanagement zu praktizieren, das vor den Rentnern nicht haltmacht. Ein Blick auf die Ursachen und Folgen dieser Entwicklung.

Sara Richter//2 Min. Lesezeit

Ich kann es kaum fassen, aber es scheint, als würden die KFZ-Versicherer systematisch versuchen, Rentner aus ihren Tarifen zu drängen und dabei gleichzeitig kräftig abkassieren. Ja, Sie haben richtig gehört: Während die Generation der Senioren, die oft nicht nur über ein bescheidenes Einkommen verfügt, mit einem Anstieg der Versicherungsprämien konfrontiert ist, ist die Branche offenbar bemüht, ihre Bilanz aufzupeppen. Der Wettbewerb um die jüngere Kundschaft lässt die älteren Autofahrer ins Abseits geraten.

Ein Grund für diesen Trend könnte die angebliche Risikobewertung sein. Versicherer argumentieren oft, dass ältere Fahrer ein höheres Risiko für Unfälle darstellen, was in vielen Fällen nicht die Realität widerspiegelt. Zum einen sind viele Rentner aufgrund jahrzehntelanger Fahrerfahrung äußerst verantwortungsvolle Fahrer. Zum anderen könnte man auch bemerken, dass diese Behauptungen häufig mehr von der Angst vor dem Verschleiß und der Unberechenbarkeit des Alters als von tatsächlichen Statistiken getrieben werden. Hier stellt sich die Frage: Ist der Verdacht auf Altersdiskriminierung nicht allzu offensichtlich?

Ein weiterer Aspekt, der mir sauer aufstößt, ist die schlichte Ungerechtigkeit, die sich in den Angeboten der Versicherungsgesellschaften widerspiegelt. Die Rentner haben oftmals nicht die Möglichkeit, von den günstigeren Tarifen zu profitieren, die für jüngere Autofahrer angeboten werden, wie etwa Telematik-Tarife, die das Fahrverhalten überwachen. Warum sollte das Alter für die Versicherer ein Nachteil sein? Im Gegensatz zu einer teuren Sportwagen-Versicherung, die für einen 20-Jährigen schlüssig ist, sollten wir doch auch für die weniger risikobehafteten älteren Autofahrer ein faires Angebot erwarten dürfen.

Natürlich gibt es Stimmen, die anmerken, dass sich die Märkte nun einmal ändern und niemand gezwungen wird, bei einer bestimmten Versicherungsgesellschaft zu bleiben. Das mag stimmen, aber in einer Zeit, in der die Mobilität für Senioren mehr denn je von Bedeutung ist, scheinen diese Überlegungen bestenfalls eine hohle Floskel zu sein. Der Umstand, dass viele ältere Menschen nicht die Möglichkeit haben, sich durch einen Wechsel zu einer günstigeren Versicherung zu befreien, bleibt bestehen. Zudem sind die neuen Angebote oft so komplex, dass selbst die jüngeren Generationen Schwierigkeiten haben, die Vorzüge zu erkennen. Wie sollen also die Rentner dies bewältigen, die möglicherweise nicht mit den neuesten digitalen Entwicklungen Schritt halten können?

Der nächste Punkt, den es zu bedenken gilt, ist die Frage der sozialen Verantwortung. Wenn es dem Markt nur noch darum geht, Profite zu maximieren und dabei die weniger lukrativen Kundengruppen, wie die Rentner, abzuweisen, stellen sich mir ernsthafte Fragen. Würde nicht eine differenzierte Sichtweise, die die Lebenserfahrung und die Stabilität dieser Kunden berücksichtigt, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt mehr dienen als das Streben nach schnellem Gewinn? Es scheint, als wären die Versicherungsgesellschaften in einem Wettlauf um jüngere, vermeintlich weniger risikobehaftete Fahrer, ohne zu erkennen, dass sie damit die ältere Generation, die viel zur Gesellschaft beigetragen hat, ins Abseits drängen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren auswirken wird. Vielleicht wird ein Umdenken stattfinden, vielleicht aber auch nicht. Sicher ist nur, dass wir uns als Gesellschaft dafür einsetzen müssen, dass alle Mitglieder, unabhängig von ihrem Lebensalter, fair behandelt werden. Die Mobilität der Rentner ist nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit, sondern auch ihrer Lebensqualität. Wer wohlüberlegt agiert, wird langfristig auch von einem zufriedeneren und stabileren Kundenstamm profitieren.